Die ostdeutsche Kaffeekrise führte zu einem wirklich ekligen Gebräu

Die ostdeutsche Kaffeekrise führte zu einem wirklich ekligen Gebräu
Die ostdeutsche Kaffeekrise führte zu einem wirklich ekligen Gebräu
Anonim

Das Museum für Deutsche Geschichte in Berlin enthält Exponate, die dem Leben in der Deutschen Demokratischen Republik – besser bekannt als Ostdeutschland – gewidmet sind, darunter eine Lebensmittelgeschäft-Ausstellung, die mehrere gängige Haush altsprodukte enthält, die zu nostalgischen Lebenszeichen geworden sind Ost. Ein solches Produkt ist Mischkaffee, großzügig übersetzt als „gemischter Kaffee“, wie in „gemischt mit anderem Zeug“, ein Kaffeeprodukt, das Ende der 1970er Jahre während einer Knappheit eingeführt wurde, die heute als ostdeutsche Kaffeekrise bekannt ist. Ein Anstieg der weltweiten Kaffeepreise im Jahr 1976 führte zu einer Vervierfachung der Importkosten und führte zu einer Kaffeeknappheit in der DDR.Der deutsche Kaffeekonsum war damals wie heute bedeutend. 2012 tranken die Deutschen schätzungsweise 149 Liter Kaffee pro Person und Jahr; In den 1970er Jahren gaben die Ostdeutschen jährlich fast doppelt so viel für Kaffee aus wie für Schuhe. Höhere Kosten, gleichzeitig mit der globalen Öl- und Energiekrise der 1970er Jahre, lösten in dem kommunistischen Land eine nationale Kaffeekrise aus.

Als Reaktion darauf zog das ostdeutsche Politbüro billigere Kaffeemarken vom Markt und führte Mischkaffee ein, der zu mindestens 50 Prozent aus (billigem) Kaffee und zu 50 Prozent aus … anderem Zeug bestand. Dieses andere Zeug fällt unter den schönen deutschen Begriff Kaffeeähnliches Getränk oder „Kaffee-ähnliche Getränke“– Substanzen, die in Geschmack und/oder Farbe Bohnenkaffee oder „Bohnenkaffee“ähneln.

Kaffee-ähnliche Kaffee-Ersatzstoffe umfassen eine reiche Vielf alt an behelfsmäßigem Genuss und in verschiedenen Kombinationen alles von Malz, Getreide, Chicorée oder Zuckerrüben bis hin zu Traubenkernen, Spargel, Karotten, Lupinen, Mandeln und sogar Kartoffeln.Ein abweichender Name für Mischkaffee war Muckefuck, was möglicherweise eine Eindeutschung des französischen mocca faux ist, aber die Ursprünge des Begriffs sind nicht ganz klar. So war Ende 1977 der Zustand und das Mysterium der ostdeutschen Tasse Kaffee.

Genau wie jeder gewohnheitsmäßige Kaffeetrinker hassten die Ostdeutschen Mischkaffee und betrachteten ihn als Beleidigung ihrer Rechte als Verbraucher. Außerdem war einer der häufig in Mischkaffee enth altenen Füllstoffe Erbsenmehl oder gemahlenes Erbsenmehl, das in heißem Wasser eindickt und Kaffeefilter verstopft. Schätzungen zufolge wurden in den Jahren zwischen 1975 und 1977 20 bis 25 Prozent des in Ostdeutschland konsumierten Kaffees von Freunden und Verwandten in Westdeutschland geschickt.

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Bis 1978 hatte sich der globale Kaffeemarkt deutlich entspannt und die Preise für Kaffeeimporte fielen, aber Versorgungsprobleme innerhalb der DDR blieben während der gesamten 1980er Jahre bestehen. Die Bedeutung des Kaffees für die Deutschen auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs kann als verbindendes Symbol deutscher Identität angesehen werden (die natürlich erst im Oktober 1990 symbolisch oder anderweitig wieder vereint wurde).

Mischkaffee ist im Museum für Deutsche Geschichte ein Relikt eines ganz anderen Lebens, so karikaturhaft altmodisch wie der avocadogrüne Trabant mit Campingzelt darauf. Nostalgie für das Leben in Ostdeutschland heißt Ostalgie und wird allgemein als etwas fehlgeleitet von Menschen angesehen, die nicht alt genug sind, um sich daran zu erinnern, ähnlich wie tausendjährige New Yorker, die sich nach den schlechten alten Tagen der Stadt in den 1970er und 1980er Jahren sehnen. Mischkaffee ist keine Delikatesse und nichts, wonach man sich sehnen müsste, aber es ist ein Relikt einer Krise, an die sich nur wenige erinnern. Wenn überhaupt, ist es ein Grund mehr, sich hinzusetzen und den echten Kaffee zu riechen.

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